„Ich + Du = Wir“
von Sebastian Pester
AWO-Projekt gewinnt hochdotierten Paul-Lechler-Preis
Jena. Als im November 2008 ein Kind mit einer schweren Mehrfachbehinderung und ein Junge mit Autismus in den Kindergarten „Abenteuerland“ aufgenommen wurden, standen die Mitarbeiterinnen vor Barrieren, die nur durch außergewöhnliches Engagement und die Suche nach neuen Wegen zu meistern waren. Sie nahmen die Herausforderung an und entwickelten das Projekt „Ich und Du = Wir“. Darin setzten Sie sich zum Ziel, den Kindern einen würdigen Platz in der Kindergemeinschaft zu geben, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pädagogen, Therapeuten, Ärzten und den Eltern für die bestmöglichste individuelle Förderung der Kinder zu intensivieren sowie Akzeptanz und Verständnis der Eltern anderer Kinder für das Zusammenleben von Kindern mit und ohne Behinderung zu entwickeln.
Die beispielhafte Arbeit der Erzieherinnen würdigte nun die Paul-Lechler-Stiftung mit dem gleichnamigen Preis. 25.000 Euro können jetzt gezielt in die pädagogische Arbeit eingebracht werden. „Der Preis macht uns sehr stolz“, erklärt Sigrun Vetter, Leiterin des Kindergartens. „Neben dem Kauf von Therapiematerialien werden wir hauptsächlich Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote für die Mitarbeiter organisieren. So können wir unserem hohen Anspruch einer inklusiven Betreuung der Kinder mit und ohne Betreuung am Besten Rechnung tragen“, so Vetter weiter. [„Inklusion“ im pädagogischen Sinne ist eine konzeptionelle Weiterentwicklung des Begriffs „Integration“, die die Heterogenität von Menschen und Gruppen als Normalität auffasst.]
Dieser Ansatz war es auch, der die Jury, unter Leitung von Prof. Dr. Jo Jerg, überzeugte. „Besonders hervorzuheben ist die Zielsetzung der Einrichtung, diese Inklusion als Modell zu begreifen und die Erfahrungen aufzuarbeiten und anderen weiterzugeben“, unterstrich Jerg die Juryentscheidung.
Zweiter Preisträger und mit einem Preisgeld in gleicher Höhe bedacht ist ein Projektsgemeinschaft aus Coburg.
Der Paul-Lechler-Preis wurde zum dritten Mal verliehen. Benannt ist er nach dem Stifter. Dr. med. h.c. Paul Lechler (1849-1925) war Großkaufmann und Fabrikant. Er engagierte sich sehr stark sozial und verpflichtete sich, einen Teil der Unternehmensgewinne den Armen und Bedürftigen zu spenden. Die nach seinem Tod gegründete Stiftung setzt dieses Erbe fort.



