„Jenaer Integrationsbündnis – Neue Wege gemeinsam gehen“
Im Dezember vergangenen Jahres hat sich die Stadt Jena, als einzige ostdeutsche Stadt, mit dem Projekt „Jenaer Integrationsbündnis – Neue Wege gemeinsam gehen“ erfolgreich an einer bundesweiten Ausschreibung im Rahmen des Forschungsprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) „Integration und Stadtteilpolitik“ beworben.
Die Stadt Jena möchte mit dem gemeinsam vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung (BBSR) geförderten 2-jährigen Modellprojekt neue Wege bei der Umsetzung und Steuerung des städtischen Integrationskonzeptes gehen.
Das Projekt wird unter der Federführung der Stadt Jena durchgeführt und setzt sich aus drei verschieden Projektbausteinen zusammen, die im Wesentlichen in externer Zuständigkeit bearbeitet werden und von der Stadt in einer beschränkten Ausschreibung vergeben wurden. Ein Projektbaustein ist die wissenschaftliche Begleitung. Diese erfolgt durch ORBIT e.V. Ein anderer Baustein ist das Coaching und die interkulturelle Weiterbildung. Die Stadt Jena hat hierfür die Kindersprachbrücke Jena e.V. beauftragt. Die Koordination erfolgt kooperativ durch die AWO KV Jena-Weimar e.V. und der Integrationsbeauftragten der Stadt Jena. Darüber hinaus steht der Integrationsbeirat der Stadt Jena den Projektpartnern als beratendes Expertengremium, das die Interessen und Sichtweisen der Migranten vertritt, zur Seite.
Durch das Projekt sollen wichtige Prozesse etabliert werden, die sowohl im Stadtteil Lobeda als auch im gesamten Stadtgebiet nachhaltige integrationspolitische Strategien und Strukturen schaffen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Aspekt der Interkulturellen Öffnung von Einrichtungen und Regeldiensten.
Zusammenfassend lassen sich vier wesentliche Projektziele festhalten:
1. Gewinnung qualitativer und quantitativer Daten zu Lebenslagen von MigrantInnen in Jena
Anhand von qualitativen und quantitativen Befragungen werden Daten und Informationen zu den Lebenslagen von Migranten in Jena erhoben.
2. Erarbeitung eines Integrationskonzepts/Aktionsprogramms für den Stadtteil Lobeda
Die Grundlage bildet das vom Stadtrat beschlossene gesamtstädtische Integrationskonzept. Die darin verankerten kommunalen Handlungsstrategien sollen im Rahmen des Projektes gemeinschaftlich, unter Einbindung der im Sozialraum relevanten Akteure sowie der interessierten Bürgerschaft, auf die spezifische Stadtteilsituation des Programmgebiets Jena-Lobeda angepasst und weiterentwickelt werden.Ziel ist es, dass Integrationskonzept für Lobeda so zu gestalten, dass die darin enthaltenden Handlungsstrategien und Maßnahmen möglichst konkret und handhabbar sind. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt durch die verschiedenen Akteure im Sozialraum. Hierfür steht ein kleiner Projektfonds zur Verfügung.
3. Initiierung der Interkulturellen Öffnung von Einrichtungen und Zertifizierung durch ein eigens entwickeltes Gütesiegel
Mittels eines begleitenden Prozesses der interkulturellen Öffnung von Diensten und Einrichtungen werden Träger in kommunaler und freier Trägerschaft eingebunden und für interkulturelle Kontexte sensibilisiert. Teilnehmende Einrichtungen werden auf dem Weg zur Interkulturellen Öffnung durch Workshops, Beratungen und Coachings professionell begleitet und erfolgreiche Öffnungsprozesse schließlich durch ein eigens im Rahmen des Projektes entwickeltes Zertifikat bzw. Gütesiegel anerkannt und dokumentiert. Die Vergabe der Zertifikate erfolgt, unterstützt von einer unabhängigen Kommission, durch die Stadt Jena. Die ersten Zertifikate sollen im August 2011 vergeben werden.
4. Gründung eines Integrationsbündnisses
Am Ende des Projektzeitraumes, im Oktober 2011, folgt die Gründung des „Jenaer Integrationsbündnisses“.
Für dessen Gründung werden im Laufe des Projektzeitraums spezifische Strukturen (weiter-) entwickelt und auf- bzw. ausgebaut. Neben den bereits bestehenden guten Kooperations- und Vernetzungsstrukturen sollen weitere Kooperationspartner aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gewonnen werden.
Die Migrantenselbstorganisationen werden diesbezüglich als wichtige Partner wahrgenommen. Aus diesem Grund sollen Partizipationsmodelle entwickelt und der Aufbau bzw. die Weiterentwicklung solcher Selbsthilfestrukturen gefördert und unterstützt werden.
Das Jenaer Integrationsbündnis sichert durch die Kooperation von verschiedenen Akteuren auf lokaler Ebene langfristig und nachhaltig die Integration von MigrantInnen in Jena. Es entsteht in bzw. aus Lobeda heraus und soll im Verlauf des Projektzeitraums gesamtstädtisch ausgerichtet werden. Es begleitet die Integrationspolitik des Stadtteils Lobeda sowie der gesamten Stadt kritisch und begreift die interkulturelle Ausrichtung der Kommune als Querschnittsaufgabe auf allen Ebenen. Die Bündnispartner engagieren sich darüber hinaus gemeinsam für ein vielfältiges, weltoffenes und tolerantes Jena.


